2019 wollte der Forensikprofessor mithilfe virtueller Skelette aus Gelenkabständen Täter auf einem Überwachungsvideo identifizieren, doch sein Gutachten wirkte wissenschaftlich halbgar, wurde von Top-Strafverteidigern filetiert und machte nebenbei sichtbar, wie dünn die Beweisdecke in diesem medienwirksamen Fall tatsächlich war. Der Text zoomt dann zurück ins 19. Jahrhundert zu Alphonse Bertillon, jenem pedantischen Pariser Datenpionier, der Verbrecherkörper vermessen ließ und mit seiner »Bertillonage« den Traum begründete, Identität ließe sich wie ein Archiv sauber sortieren – bis der Fingerabdruck als praktikablerer Gamechanger übernahm. Am Ende bleibt die Pointe so forensisch wie politisch: Zwischen Tech-Euphorie, Messfehlern, schrumpfenden Körpern und Justizskepsis ist der digitale Zwilling womöglich mehr Zukunftsversprechen als Smoking Gun – entschieden wird das nicht im Labor, sondern im Gerichtssaal. Gefällt mir Gefällt mir Gefällt mir nicht Gefällt mir nicht Send