Karlsruhe - Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, sieht den parteipolitischen Streit um die Besetzung von Richterstellen als wichtigen Grund für das gesunkene Ansehen des höchsten deutschen Gerichts. Die etablierten Parteien hätten sich über Jahre faktisch Vorschlagsrechte für Richterposten aufgeteilt, sagte Papier der "Welt am Sonntag". Dieser "ungenierte Zugriff" erwecke in der Öffentlichkeit den Eindruck parteipolitischer Einflussnahme und schade der Akzeptanz des Gerichts. Kritisch äußerte sich Papier über Vorwürfe, Treffen zwischen Verfassungsrichtern und Regierungsmitgliedern seien Ausdruck von "Hinterzimmerpolitik" oder "Kungelei". Zugleich wertete Papier die jüngsten Auseinandersetzungen über Richterwahlen als Beleg für die anhaltende Bedeutung des Bundesverfassungsgerichts.